· 

Wollen ist genügend - Das Potenzial des reinen Wollens

Geschrieben von Kevin Kunert

Der Begriff "Wollen" löst bei Menschen verschiedene Assoziationen und Interpretationen aus. Viele Menschen in der Selbsthilfe setzen das Wollen mit dem Gefühl des Mangels gleich. Doch während der Mangel ein Gefühl ist, ist das Wollen eher ein Bewegungsimpuls. 

 

Wie oft willst Du etwas während des Tages und wirst ungefragt in die Richtung der Erfüllung des Wollens bewegt? 

 

Du willst auf die Toilette und prompt wirst Du von innen heraus bewegt, um Dein Wollen zu erfüllen. Je nach Situation kann der Weg zur Erfüllung unterschiedlich ausfallen. Wenn Du gerade im Auto sitzt und unterwegs bist, kann es sein, dass Du an der nächsten Tankstelle halt machst und dort auf die Toilette gehst. Bist Du gerade jedoch zuhause, bewegst Du Dich einfach nur ins Badezimmer. Bist Du im Restaurant, fragst Du eventuell zunächst den Kellner, wo sich die Toilette befindet. 

 

Im Falle dessen, dass Du es Dir noch verkneifst, liegt es daran, dass Du noch etwas Anderes in diesem Moment MEHR willst (Dir wichtiger ist). 

 

Das gilt auch für das Essen, Trinken, Schlafen, Saubermachen, Duschen, Zähneputzen, Sex, Arbeit etc. 

 

In jedem Augenblick wollen wir etwas mehr und viele andere Dinge weniger und je nachdem was wir gerade MEHR wollen, werden wir uns entsprechend auf die Erfüllung hin bewegen. 

 

Andere Lebewesen zeigen uns sehr deutlich, wie einwandfrei dieser Mechanismus funktioniert. Der höchste Wille eines Lebewesen ist das Überleben und die Fortpflanzung und es tut immer das Bestmögliche, um seinem höchsten Willen gerecht zu werden. Der Mensch unterscheidet sich nur darin, dass er die Logik und Vernunft besitzt und seinen höchsten Willen vielfältiger und (zu meist) intelligenter ausdrücken kann. 

 

Nun wirst Du mir vielleicht bei den genannten Beispielen zustimmen und doch Dich fragen, warum es einige Wünsche in Deinem Leben gibt, wo Du Dich von der Erreichung eher entfernt hast (oder stagnierst). 

 

Der Grund liegt darin, dass wir diesem Mechanismus nicht gänzlich vertrauen. In einigen Lebensbereichen glauben wir nicht, dass wir bereits auf natürliche Weise auf die Erfüllung hinbewegt werden - nur weil man es will. Wir glauben, dass wir unserem Wollen noch etwas hinzufügen müssen. Und es ist dieser Glaube, den wir als ein Gefühl von Mangel (begleitend mit dem Gefühl der Notwendigkeit) wahrnehmen. 

 

Stelle Dir eine Gazelle vor, die ein Rascheln im Busch hört und das Gefühl von Angst/Vorsicht empfindet. Gänzlich automatisch wird sich die Gazelle auf die zügige Flucht vorbereiten. Sollte sich die drohende Gefahr bestätigen, sind die Chancen der erfolgreichen Flucht gestiegen. 

 

Gehen wir nun davon aus, dass die Gazelle die menschliche Vernunft/Logik besitzt. Sie könnte nun noch zusätzlich die Situation rational prüfen und sich damit einen noch größeren Vorteil verschaffen. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass die Gazelle ihre Vernunft gegen ihre eigene Natur nutzt und große Unsicherheit verspürt, ob das aufkommende Gefühl der Angst überhaupt richtig ist. Sie könnte sich so sehr Gedanken darüber machen, was nun der richtige oder falsche Ansatz in dieser Situation ist, dass sie paralysiert ist und sogar in Panik verfällt. Während dieser ganzen Zeit hat das Raubtier sich schon in die bestmögliche Position gebracht, um die Gazelle zu erlegen. Schlussendlich hat die Gazelle das Gegenteil dessen erhalten, was es ursprünglich wollte - Überleben!

 

Dieses menschliche Phänomen ist in der Psychologie hinreichend bekannt und wurde eingängig definiert und kategorisiert. Charles Baudouin nannte dieses Phänomen in seinem Werk "Die Psychoanalyse der Suggestion und Autosuggestion" das Gesetz des entgegengesetzten Aufwandes. Sigmund Freud nannte es "Gegenwille" und der renommierte Psychologe Daniel M. Wegner bezeichnete dieses Phänomen als "ironischen Prozess". 

 

Im Grund genommen kann man diesen Prozess so definieren: Wenn der Wille als nicht genügend wahrgenommen wird und somit ein Gefühl der Notwendigkeit (resultierend aus dem Gefühl des Mangels) entsteht, wird man kurz- oder langfristig das Gegenteil dessen erhalten, was man ursprünglich wollte. 

 

Aus dem Gefühl des Mangels entsteht ein Gefühl der Notwendigkeit und dieses Gefühl macht sich im MÜSSEN und SOLLEN bemerkbar. 

 

Diese illusorischen Druckmittel nutzt der Mensch im Glauben, dass er nur dadurch seine Ziele im Leben erreichen kann (ergo der Glaube, dass das reine Wollen ungenügend wäre). 

 

Doch Müssen und Sollen ist Schmerz und Ermüdung. Die meisten Menschen erreichen ihre hochgesteckten Ziele im Leben nicht, weil sie vom ganzen Müssen und Sollen ermattet sind. 

 

Das reine Wollen fungiert wie eine Rolltreppe und zieht den Menschen in die Richtung der Erreichung des Gewollten. Der Glaube, dass das nicht ausreichend ist, bringt den Menschen ins Müssen und Sollen. Das Müssen fungiert wie eine Peitsche. Der Mensch versucht nun mit zusätzlichen Peitschenhieben sich zügiger auf der Rolltreppe fortzubewegen und steckt den Schmerz als (geglaubte) notwendige Konsequenz ein. Je nach individueller Schmerztoleranz wird der Mensch an einem Punkt kommen, wo er keinen zusätzlichen Schmerz mehr einstecken kann und will. Die Konsequenz: Er gibt auf. Mit dem Aufgeben des Wollens steigt er von der Rolltreppe und demnach bewegt er sich nicht mehr auf die Erreichung zu. Er hat schlussendlich das Gegenteil erhalten. 

 

Nicht nur dass die Peitschenhiebe uns nicht zügiger auf die Erreichung hinbewegen, letztendlich führt es zur kompletten Resignation.

 

Also was ist Wollen? Sozialpsychologe Roy F. Baumeister definierte das Wollen als Motivation. Motivation und Wollen sind synonyme Begriffe. Die meisten Menschen glauben, dass sie sich zusätzlich motivieren müssten und übersehen dabei, dass ihr Wollen bereits DIE einzige und alternativlose Motivation darstellt. Das Wort Motivation stammt vom lateinischen Wort "motivare" ab und bedeutet soviel wie: VON INNEN HERAUS BEWEGT WERDEN. 

 

Das Wollen ist der tiefste Bewegungsimpuls und ohne ihn geschieht nichts. Dieser Bewegungsimpuls bringt das Bewusstsein in Bewegung und Gefühle, Gedanken, mentale Vorstellungen, Reaktionen und Handlungen sind nichts anderes als Manifestationen des bewegten Bewusstseins.

 

Wie kann der Mensch also wieder ins reine Wollen finden? 

 

Letzten Endes steht und fällt alles mit nur einer einzigen Glaubensannahme. Der Glaube, dass der Mensch nicht von Natur aus bereits bestmöglich motiviert ist, um seine Ziele zu erreichen. Dass es dem Menschen nicht von Natur aus immer besser gehen wird. Dass der Mensch nicht von Natur aus immer glücklicher werden wird. 

 

Nur diese einzige Annahme löst ein Mangel an Selbstvertrauen aus und resultiert in ein Mangel an Vertrauen in das Wollen. 

Teile diesen Artikel mit Deinen Freunden


Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Claudia (Mittwoch, 20 Januar 2021 16:42)

    Die Frage ist doch, ob ich meinen Willen oder mein Wollen identifizieren kann. Was ist dein Wille Kevin?

  • #2

    marion (Donnerstag, 04 Februar 2021 14:57)

    tja ich wollte schon eine ganze weile etwas aber es hat sich leider nur durch das wolle nicht manifestiert ?
    LG
    Marion

  • #3

    Lydia (Samstag, 13 März 2021 12:09)

    Wenn ich etwas will und daran glauben kann es zu bekommen od zu verdienen, manifestiert es sich.
    Neulich hab ich etwas nicht bekommen und meine Gefühle darüber aufgeschrieben (Wut, Traurigkeit, Enttäuschung) und so erfahren, dass ich glaube es nicht zu verdienen.