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Die 7 fatalsten Glaubenssätze der Menschheit

Geschrieben von Kevin Kunert

Glaubenssatz 1: Um etwas zu lieben, muss man erstmal etwas hassen. 

 

Dieser Glaubenssatz zeigt sich häufig, wenn man über das Glücklichsein spricht. Glücklichsein ist ein JA! zu mir selbst; meinen Reaktionen, meinen Gefühlen, meinen Gedanken, meinem Verhalten und meinem Tun. Kommt ein Mensch erstmalig mit diesem Konzept in Berührung, läuten bei ihm die Alarmglocken: Wie kann man JA! zu etwas sagen, was man verändern will? Wie kann man JA! zu der tiefen Angst sagen, wenn man lieber etwas anderes zukünftig fühlen will? 

 

Der Mensch glaubt, dass er erst die Angst hassen muss (dagegen sein muss), damit er das erwünschte Gegenstück wollen kann. Nehmen wir an, Du möchtest Dein Wohnzimmer streichen: Musst Du erst alle ungewollten Farben hassen, damit Du Dich für eine gewollte Farbe entscheiden kannst? Nehmen wir an, Du möchtest ein Eis essen: Musst Du erst alle ungewollten Eissorten hassen, damit Du Dich für eine gewollte Eissorte entscheiden kannst? 

 

Warum glaubt der Mensch das? Weil er unbewusst davon überzeugt ist, dass er nur genügend motiviert ist, wenn er unglücklich ist. Unglücklichsein tritt sehr häufig bei dem Gefühl von Hass auf (auch wenn es nicht ein und dasselbe ist). 

 

Doch was ist, wenn die im Hier und Jetzt gefühlte Emotion nur den Weg vorbereitet, damit man zukünftig mehr von der Emotion fühlt, die man fühlen will? Inwiefern wäre dann noch das Hass und Liebe Spiel sinnvoll? 

 

In anderen Worten: Wenn Du wüsstest, dass die heutige Angst notwendig ist, damit Dein größter Wunsch morgen in Erfüllung geht, wie würdest Du zu dieser Angst stehen? Mit welchem Gefühl würdest Du auf die Angst warten und wenn sie dann da ist, wie würdest Du sie fühlen? Würdest Du sie anders wahrnehmen, als wenn Du glauben würdest, dass die Angst Dir zukünftig nur schaden will? 

 

Wir können lieben, was wir fühlen, denken und tun - selbst dann, wenn wir uns zukünftig eine Veränderung wünschen. Wenn wir verstehen, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. 

 

 

Glaubenssatz 2: Ich kann erst glücklich sein, wenn ich tue, was ich tun will. 

 

Glücklichsein hat keinen Grund, außer glücklich zu sein. Der einzige Grund glücklich zu sein, ist, glücklich zu sein. Und ich muss nicht erst bestimmte Bedingungen erfüllen, damit ich mir diese Erlaubnis geben kann. 

 

Dass der Mensch tatsächlich glaubt, er könnte etwas tun, was er nicht tun will, ist ein Ausdruck aus dem Glauben des Unglücklichseins. Der Glaube, dass man unglücklicher werden kann, bringt uns ins Müssen und Sollen. Müssen und Sollen sagt aus: Ich tue etwas, was ich nicht tun will. 

 

Wer im Müssen und Sollen eine Tätigkeit beginnt, wird das Gefühl haben, dass er etwas tut, was er nicht tun will. Es ist jedoch keine Tatsache, sondern lediglich ein Ausdruck des Glaubens. Körper und Geist werden sich auf ganz natürliche Weise der Tätigkeit versperren, denn das ist der zugrundeliegende Befehl. Wir bekommen nicht nur das Gefühl präsentiert, dass wir etwas tun, was wir nicht tun wollen, sondern auch unser Körper wird sich der Tätigkeit widersetzen. Es ist selbsterklärend, dass wir dadurch ineffizient werden und (wenn sie überhaupt da war) die Lust verlieren. 

 

Wir tun immer genau das, was wir tun wollen. Glauben können wir jedoch das Gegenteil. 

 

Dass der Glückliche eher das Gefühl hat, immer genau das zu tun, was er tun will, liegt weniger am Tun, als am fehlenden Müssen und Sollen - der Glückliche glaubt nicht ans Unglücklichsein. 

 

 

Glaubenssatz 3: Glücklichsein ist eine bestimmte Art des Seins. 

 

Glückliche Menschen lachen immer. Glückliche Menschen sind immer ehrlich. Glückliche Menschen sagen immer, was sie denken. Glückliche Menschen sind immer in purer Freude. Glückliche Menschen lieben bedingungslos jeden Menschen. Glückliche Menschen sind frei von ihren Ängsten und Sorgen. Glückliche Menschen leben zurückgezogen auf einem Berg und haben der Gesellschaft den Rücken gekehrt. Glückliche Menschen sind höchst spirituell und leben nur im Hier und Jetzt. 

 

Du kannst die Liste gerne mit Deinen eigenen Beispielen weiterführen. Woher kommt der Glaube, dass Glücklichsein eine bestimmte Art des Seins voraussetzt? 

 

Die meisten Menschen setzen für das Glück auch äußere Dinge voraus wie Gesundheit, Partnerschaft und Geld. Zu glauben das Glücklichsein eine bestimmte Art des Seins voraussetzt, ist das gleiche wie der Glaube, dass es für das Glücklichsein Gesundheit, Partnerschaft und Geld benötigt. 

 

Dieser Glaube ist dadurch entstanden, dass der Mensch Ursache und Wirkung verwechselt. Frage: Wärst Du jemals unglücklich, wenn Du nicht glauben würdest, dass Du jemals unglücklich werden kannst? 

 

Glückliche Menschen lachen, wenn sie lachen und lachen nicht, wenn sie nicht lachen. Glückliche Menschen sind ehrlich, wenn sie ehrlich sind und sind es nicht, wenn sie es nicht sind. Glückliche Menschen sagen immer, was sie denken, wenn sie sagen, was sie denken und sie tun es nicht, wenn sie es nicht tun. Glückliche Menschen sind in Freude, wenn sie in Freude sind und sind es nicht, wenn sie es nicht sind. Glückliche Menschen haben keine Angst, wenn sie keine Angst haben und haben Angst, wenn sie Angst haben. Glückliche Menschen leben zurückgezogen auf einem Berg und haben der Gesellschaft den Rücken gekehrt, wenn sie zurückgezogen auf einem Berg leben und wenn nicht, dann nicht. 

 

Glückliche Menschen wissen, dass sie ihrem Glück nicht schaden können. Glückliche Menschen wissen, dass sie von Natur aus immer glücklicher werden. Glückliche Menschen wissen, dass sie von Natur aus auf ihr Wohlbefinden ausgerichtet sind und immer waren (jedoch das Gegenteil geglaubt haben). Sie sind frei von der Bewertung in gut und schlecht oder falsch und richtig. Es ist nichts falsch und damit alles richtig. Es ist nichts schlecht und damit alles gut. 

 

Der Glaube, irgendwie sein zu müssen, bevor man sich die Erlaubnis geben kann, glücklich zu sein, ist Unglücklichsein. Zwei glückliche Menschen können sich in der Art ihres Seins grundsätzlich unterscheiden und natürlich auch wie sie ihr Leben führen. Eine Verallgemeinerung gibt es nicht. 

 

 

Glaubenssatz 4: Ich kann erst glücklich sein, wenn ich meine Ängste aufgelöst habe. 

 

Die Emotion der Angst steht dem Glücklichsein nicht im Weg. Auch ein glücklicher Mensch kann Angst fühlen. Dass er die Angst anders wahrnimmt und vielleicht sogar anders bezeichnet, möchte ich nicht abstreiten, da dass auch meine eigene Erkenntnis ist. Die Energie der Angst verschwindet aber nicht. Angst ist eine natürliche Emotion und dient uns in bestimmten Situationen. Wie ich bereits in meinem Artikel "Schmerzvolles Fühlen vs. Freudiges Fühlen" erklärt habe, hat jede Emotion bestimmte Vor- und Nachteile. Welches Päckchen wir schlussendlich erhalten, hängt nicht von der Emotion ab, sondern was wir über unsere Emotionen glauben. Sofern ich glaube, dass eine Emotion mir schaden könnte oder wird, werde ich die Nachteile präsentiert bekommen. Da viele Menschen glauben, dass bestimmte Emotionen nur den Zweck der Zerstörung verfolgen, glauben sie ebenfalls, dass sie nur glücklich sein können, wenn sie diese Emotion losgeworden sind. Dieser Kampf findet nie ein Ende. 

 

 

Glaubenssatz 5: Ich kann erst glücklich sein, wenn ich nicht mehr unglücklich bin. 

 

Dieser Glaubenssatz ist nicht gänzlich falsch. Warum ich ihn dennoch thematisieren möchte, liegt daran, dass viele Menschen in einem Moment des Unglücklichseins in ihre alten Verhaltensmuster rutschen. Sie glauben dann, sie müssten das Unglücklichsein hassen, um das Glücklichsein zu wollen. Das Problem am Unglücklichsein ist jedoch, dass ich es weder hassen noch lieben kann. Hasse ich es, forciere ich es. Liebe ich es, forciere ich es. 

 

Doch auch das temporäre Unglücklichsein ist lediglich ein Ausdruck meines höchsten Wollens und damit aus diesem Wollen motiviert. Es will mir nicht schaden. Ich darf mir einfach eingestehen, dass ich gerade wieder etwas glaube, was ich nicht mehr glaube. Ich glaube in diesem Moment, dass ich mich unglücklich fühlen muss, damit sich etwas an meiner Situation verändert. Ich glaube in diesem Moment wieder, dass nur das Unglücklichsein mich genügend motiviert. Ich glaube wieder, dass ich von Natur aus unglücklicher werde und dass ich deshalb nicht JA! zu mir selbst sagen kann. Aber ich habe mich für einen anderen Glauben bereits entschieden: Der Glaube, dass ich von Natur aus immer glücklicher und glücklicher werde und so weiß ich, dass auch dieser Moment gehen wird. 

 

 

Glaubenssatz 6: Ich kann erst glücklich sein, wenn ich habe, was ich haben will. 

 

Ähnlich wie der Glaubenssatz 3. Menschen suchen ihr Glück in bestimmten Objekten und glauben, wenn sie das Objekt besitzen würden, wären sie glücklich. Gänzlich falsch ist das nicht, doch auch hier wird Ursache und Wirkung verwechselt. Du bist nicht glücklich, weil Du bekommen hast, was Du willst, sondern weil Du Dir die Erlaubnis gegeben hast. Das Hauptmotiv des Unglücklichseins ist Motivation. Wollen wir etwas verändern, brauchen wir Motivation und da der Mensch nicht glaubt, dass sein Wollen bereits die alternativlose und beste Motivation ist, nutzt er das Unglücklichsein. Haben wir jedoch, was wir haben wollen, benötigt es keine weitere Motivation (zumindest für diesen Moment; nach kurzer Zeit können wir jedoch wieder unglücklich sein, damit wir behalten können, was wir behalten wollen und da wir dazu wieder Motivation benötigen, sind wir wieder unglücklich). Dadurch erlauben wir uns in diesem Augenblick das Glück. Wenn der Mensch erkennt, dass Unglücklichsein keine Motivation bringt, sondern die Motivation langfristig nimmt, würde er nicht mehr unglücklich sein. Der Mensch wählt das Unglücklichsein, weil er sich einen Lohn daraus verspricht; Glaubenssatz 7 - Unglücklichsein bringt mir einen Lohn. 

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Kommentare: 2
  • #1

    msx (Montag, 08 Februar 2021 16:25)

    Der 7te Glaubenssatz ist etwas zu kurz gekommen. Ansonsten beeindruckende Arbeit.

  • #2

    Alex (Freitag, 12 Februar 2021 22:47)

    Hi,
    Ich versteh eine Sache nicht: ich habe früher immer gegen diese "unguten" Gefühle zu kämpfen bzw Wiederstand zu leisten weil ich geglaubt habe, dass ich sie dann los bekomme aber natürlich sind sie immer mehr an mir geklebt und wurden zu meiner Natur. Aber wieso, wenn ich das nicht geglaubt habe ? LG